Als mein Unterbewusstsein schneller war als mein Verstand
- Yvonne Collisi
- vor 18 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
"Was ist Dein größtes Ziel?“
Ich musste nicht lange überlegen.
Kanada.
Ganz klar.
Kanada war seit Jahren mein Traum. Diese unglaubliche Weite, die Natur, die Freiheit. Irgendwann wollte ich dort stehen und genau dieses Gefühl erleben.
Mein Coach nickte.
Und dann stellte er mir eine einzige weitere Frage:
„Und wenn Du noch größer denken würdest?“
Ich weiß bis heute nicht, wo meine Antwort herkam.
Denn ich dachte nicht nach.
Ich wog nichts ab.
Ich suchte nicht nach einem noch exotischeren Reiseziel. Ich überlegte nicht, welche Antwort jetzt besonders mutig klingen könnte.
Ich antwortete einfach:
„Ich sitze im Flieger nach Australien.“
Und im nächsten Moment war ich selbst irritiert.
Australien?
Wie bitte komme ich denn jetzt auf Australien?
Australien war kein langgehegter Traum von mir. Es hing kein Foto davon an meiner Wand. Es stand auf keiner Bucket List. Ich hatte keine Route geplant und mich nicht einmal ernsthaft mit einer Reise dorthin beschäftigt.
Und trotzdem war dieser Satz einfach da.
Das Merkwürdige war:
Es fühlte sich überhaupt nicht merkwürdig an.
Im Gegenteil.
Während mein Kopf noch fragte:
Australien? Warum denn Australien?
war da gleichzeitig dieses andere Gefühl:
Ja. Genau das.
Eine Antwort, die ich mir selbst nicht erklären konnte
Diese Situation passierte während meiner Coaching-Ausbildung.
Wir lernten dort nicht nur Methoden, mit denen wir später andere Menschen begleiten würden. Wir wurden auch selbst gecoacht.
Und rückblickend waren genau diese eigenen Erfahrungen für mich mindestens genauso wichtig wie jede Theorie.
In dieser Sitzung ging es um meinen Wert Freiheit.
Kanada passte wunderbar zu allem, was ich über mich wusste.
Australien dagegen überhaupt nicht.
Zumindest nicht zu allem, was ich bewusst über mich wusste.
Und genau das ließ mich nicht mehr los.
Denn was war da gerade passiert?
Woher kam eine Antwort, über die ich vorher offenbar noch nie bewusst nachgedacht hatte – und die sich trotzdem sofort richtig anfühlte?
Aus einem Satz wird plötzlich Realität
Seit diesem Coaching ist einige Zeit vergangen.
Und heute kann ich sagen:
Ende Oktober sitze ich tatsächlich im Flieger nach Australien.
Mein Flug ist gebucht.
Es geht nach Perth an die Westküste Australiens.
Und wenn ich das schreibe, merke ich, wie sehr ich mich inzwischen darauf freue.
Drei Wochen Australien.
Mit einem echten Offroader mit Dachzelt unterwegs sein. Nicht jeden Tag genau wissen, was mich erwartet. Landschaften entdecken, draußen sein, Freiheit spüren.
Am Strand übernachten.
Morgens das Dachzelt öffnen und schauen, wo ich eigentlich gelandet bin.
Mit meiner Kamera losziehen und hoffentlich mit unglaublich vielen Bildern zurückkommen.
Und natürlich gibt es ein Motiv, auf das ich mich ganz besonders freue:
Kängurus.
Am liebsten irgendwo am Strand, mit der Kamera in der Hand und genug Zeit, einfach nur zu beobachten.
Genau solche Momente sind für mich Freiheit.
Und das Verrückte daran:
All das begann mit einem Satz, über den ich nicht einmal nachgedacht hatte.
„Ich sitze im Flieger nach Australien.“
Vielleicht wissen wir manchmal mehr, als wir denken
Diese Erfahrung hat meine Sicht auf Coaching verändert.
Wir sind es gewohnt, Antworten mit dem Kopf zu suchen.
Was will ich?
Was ist vernünftig?
Was kann ich mir leisten?
Was passt zu meinem Leben?
Was traue ich mir zu?
Unser Verstand ist ziemlich gut darin, Möglichkeiten zu prüfen, Risiken abzuwägen und uns zu erklären, warum etwas vielleicht doch keine so gute Idee ist.
Und natürlich brauchen wir ihn.
Aber ich glaube inzwischen, dass wir etwas verpassen, wenn wir nur auf ihn hören.
Denn manchmal taucht eine Antwort auf, bevor wir sie logisch erklären können.
Ein Bild.
Ein Gefühl.
Eine Sehnsucht.
Oder eben ein völlig unerwarteter Satz:
„Ich sitze im Flieger nach Australien.“
Vielleicht ist es genau das, was mich an der Arbeit mit dem Unterbewusstsein so fasziniert.
Nicht jede spontane Antwort ist automatisch eine Wahrheit, der wir blind folgen sollten.
Aber manche Antworten sind es wert, dass wir ihnen zuhören.
Dass wir neugierig werden.
Dass wir uns fragen:
Warum berührt mich dieser Gedanke gerade so sehr?
Und manchmal beginnt genau dort etwas, das unser Verstand allein vermutlich nie geplant hätte.
Und Kanada?
Das habe ich übrigens nicht vergessen.
Kanada ist immer noch ein Traum.
Und ich bin ziemlich sicher, dass ich irgendwann auch dort stehen werde.
Aber vielleicht war genau das meine wichtigste Erkenntnis aus dieser Coachingstunde:
Nur weil ich bisher dachte, dass etwas mein größter Traum ist, heißt das nicht, dass dahinter nicht noch ein größerer wartet.
Ende Oktober werde ich also tatsächlich in diesem Flieger sitzen.
Nach Perth.
Mit ziemlich viel Vorfreude, meiner Kamera im Gepäck und dem Wissen, dass anschließend drei Wochen Abenteuer vor mir liegen.
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich irgendwann während des Fluges an diese Coachingstunde denken werde.
An diese eine Frage.
Und an meine völlig unerwartete Antwort.
Mein Unterbewusstsein war offenbar einfach ein bisschen schneller als mein Verstand.
Und wenn Du Lust hast, ein Stück mitzureisen:
Ab November werde ich hier von Australien erzählen.
Nicht als klassischen Reiseführer, sondern so, wie ich dieses Land erlebe: mit meinen Bildern, kleinen Geschichten, besonderen Begegnungen und wahrscheinlich auch dem einen oder anderen Moment, in dem etwas ganz anders läuft als geplant.
Von Perth. Vom Unterwegssein mit einem Offroader mit Dachzelt. Von Stränden und Landschaften. Und hoffentlich von ziemlich vielen Kängurus vor meiner Kamera.
Vielleicht wird daraus am Ende nicht nur eine Reise durch Australien, sondern auch wieder eine Reise zu mir selbst.
Ich bin gespannt.
PS: Falls Du dich fragst, warum das Unterbewusstsein in meiner Arbeit eine so große Rolle spielt: In meinem Blogartikel „Warum ich lieber den Eisberg betrachte als die Spitze“ schreibe ich darüber, warum ich glaube, dass nachhaltige Veränderung häufig dort beginnt, wo unser bewusstes Denken allein nicht weiterkommt.





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